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Die Evangelische Pfarrkirche in Sulzfeld
Eine kunsthistorische Betrachtung ( von Kurt Moser, Kunsthistoriker in Sulzfeld )

Die romanische Marien- und die gotische Gertrudiskirche
Die älteste in Sulzfeld nachweisbare, der Heiligen Maria geweihte Kirche soll aus dem 12. Jahrhundert
stammen und in der Mitte eines nicht näher bezeichneten Wasserschlosses der Herren von Sulzfeld gestanden
haben. Die Kirche wurde im Jahr 1441 abgetragen.

An derselben Stelle wurde am 17. März 1441, dem Tag der Heiligen Gertrud, der Grundstein für eine neue
gotische Kirche gelegt. Eine Kopie des alten Grundsteins wurde am südwestlichen Treppenturm der heutigen
Kirche angebracht.  Er trägt eine lateinische Inschrift in gotischer Minuskel. Die Übersetzung lautet:
Im Jahr des Herrn 1441 am Tag der Heiligen Gertud / (legte) Mar(tin  Göler von Ravensburg des ersten Stein).
Im 15. Jahrhundert drohte der Stamm der Göler von Ravensburg zu erlöschen. Martin (1408-1465), Chorherr zu Speyer,
hatte drei Brüder: Raban VI., Albrecht IV. und Hans II. Raban hatte keine männlichen Nachkommen, Albrecht und Hans
fielen bei  Bulgneville in Lothringen im Jahr 1431. Daraufhin verließ Martin 1433 als einziger noch lebender Göler
von Ravensburg mit Dispens von Papst Eugen IV. den geistlichen Stand. Die Rückkehr in den weltlichen Stand war mit
erheblichen Auflagen verbunden. Vermutlich war eine dieser Auflagen die Errichtung einer neuen Kirche. 1434
eiratete er Anna von Hirschberg. Aus ihrer Ehe gingen vier Söhne hervor: Georg I., Johann II., Albrecht IV.
und Eucharius. Johann und Eucharius wurden Domherren in Speyer, vermutlich eine weitere Bedingung für Martins
Weggang von Speyer. Die Epitaphien für die beiden anderen Söhne sind erhalten. Sie befinden sich an der Nordseite
des Glockenturms.

Am Ende des 17. Jahrhundert befand  sich das Kirchengebäude in einem äußerst schlechten Zustand. Trotz wirtschaft-
licher Notlage wurden in den Jahren 1698 -1702 kleinere Ausbesserungsarbeiten vorgenommen.


Instandsetzung und Erweiterung der Kirche im Jahr 1779

Im Jahr 1755 traf ein Blitzschlag das Dach des Gotteshauses, zertrümmerte tragende Balken, brachte die Orgelpfeifen
zum Schmelzen und ließ die Kanzel fast zusammenbrechen. Am 20. Mai 1755 verfassten die Freiherren Johann Wolfgang
Albrecht von der fritzischen Linie, Ludwig Friedrich und Carl Wilhelm Albrecht Göler von Ravensburg, beide aus der
ferdinandischen Linie, einen Spendenaufruf zum Wiederaufbau der Sulzfelder Kirche. In Zeile drei bis sechs wurden
die Gründe für die Sammlung dargelegt:
„Demnach die von sehr vielen Jahren schon stehende Evangelische Luther(ische) Kirche und Thurm in Sultzfeld, bey
dem Anwachß der / dahiesigen Chritlichen Gemeind nicht allein zu klein, sondern auch dergestalten baufällig ist,
daß ohne zu beförchtende Gefahr der Gottes-dienst / darinnen nicht wohl länger mehr gehalten werden kan, mithin
die höchste Notdurfft erfordert, das gantze Gebäude abzuwerfen, und neu aufzu- / erbauen,…“

Mit der Spendensammlung für eine neue Kirche wurde der Sulzfelder Bürger Jacob Guntermann beauftragt.  Im Aufruf
der Göler von Ravensburg heißt es in Zeile 13:„….unsern Burgern,  Jacob Guntermann nicht allein Glauben bey zu
messen, sondern auch denselben nicht unerhört von sich zu lassen“. Als Bittsteller zog dieser mehrmals durch die
Lande, konnte aber nur wenige hundert Gulden an Spendengeldern sammeln. Fast 20 Jahre lang war die Sulzfelder Kirche
in einem äußerst desolaten Zustand. Deshalb rief am 3. Februar 1774 Carl Göler von Ravensburg den Kirchengemeinderat
zusammen, um diesem die Gefahren beim Besuch der Kirche vor Augen zu führen. Es war offensichtlich geworden, dass
das Gebäude unverzüglich instandgesetzt werden musste. Uneinig war man sich aber in der Frage, wer für die Kosten
aufkommen sollte, Kirchengemeinde oder Patronatsherrschaft. Der Streit zog sich fast zwei Jahre hin. Am 18. November
1775 erging eine Aufforderung Kaiser Josefs II. an die Gemeinde, eine Deputation zur Begutachtung der Kirche
zusammenzustellen. Im Mai 1776 beschloss die Gemeindeversammlung, die notwendigen Gelder über Kredite zu beschaffen,
falls durch ein Gerichtsurteil entschieden würde, dass die Gemeinde für die Baulast der Kirche aufkommen müsse. Am
16. Mai 1778 wurde ein Vertrag über die geplante Instandsetzung mit dem Brettener Zimmermeister Johann Michael Rühle
geschlossen. Das Kirchenschiff wurde nach Süden hin erweitert. Die Kredite für die notwendigen Arbeiten an der
Kirche nahm die Gemeinde bei  Eppinger Juden auf. Im Jahr 1779 waren die Arbeiten abgeschlossen. Erst am 19. Juni
1784 erging ein Urteil im Streit der Gemeinde Sulzfeld mit den Göler von Ravensburg, in dem festgestellt wurde,
dass die Patronatsherren nicht verpflichtet sind, sich an den Kosten zu beteiligen. Alle Rechnungen für Reparatur
und Erweiterung der Kirche mussten mit Mitteln aus dem finanziell schlecht ausgestatteten Heiligenfonds beglichen
werden. Am 11. / 12. Mai 1789 schlossen Gemeinde und Ortsherrschaft aber einen Vergleich, der auf Vermittlung des
kaiserlichen Reichshofrates in Wien zustande kam, an den sich die Gemeinde Sulzfeld gewandt hatte: In erster  Linie
sollten künftig die Kosten für die Instandsetzung der Kirche aus Mitteln des Heiligenfonds bestritten werden.
Sollten diese nicht ausreichen, so war auch die Grundherrschaft verpflichtet, sich an den Baukosten zu beteiligen.
Lediglich ein Grundriss und eine Bleistiftzeichnung des Freiherr Ludwig Göler von Ravensburg der Innenansicht des
alten Kirchenschiffs geben Auskunft über das Aussehen der Kirche  von 1779: Eine Chorturmkirche, die genau nach
Osten ausgerichtet war. Im Innern ein freier Gang, der  auf den Altar zuführte. Links und rechts davon Sitzbänke.
Über dem Altar das heute noch erhaltene Kruzifix. Auf der Ost- und Südseite  eine Empore, die auf Stützen gestellt
war . Die östliche Empore war über dem Altar gebust, um  genügend Raum zu haben für die hier aufgestellte Orgel.
An der Nordwand eine barocke Kanzel mit Schalldeckel, ein rundbogig geschlossenes Fenster  und die Andeutung eines
Epitaphs.

 

Das neue Kirchenschiff von 1885 / 1886

Am 19. Dezember des Jahres 1883 führte die Visitation der Sulzfelder Kirche zu der Feststellung, dass die
Raumverhältnisse für die stark angewachsene Zahl der Einwohner des Ortes völlig unzureichend sind. Im April
1884 ermächtigte deshalb der Evangelische Oberkirchenrat in Karlsruhe die Kirchenbauinspektion zur Anfertigung
von Plänen für eine neue Kirche. Der Charakter der Kirche von 1441/1779 (Chorturmkirche) sollte ursprünglich
beibehalten werden. Dies hätte aber eine Verlegung von Gräbern der Göler von Ravensburg auf dem Gräberfeld
südlich der Kirche vorausgesetzt. Auf Proteste der Göler von Ravensburg hin mussten neue Pläne gefertigt werden.
Das neue Kirchenschiff wurde während der Amtszeit von Pfarrer Purpus (von 1885 bis 1903 Pfarrer in Sulzfeld)
errichtet. Architekt der neuen Kirche war der Karlsruher Kirchenbaurat Ludwig Diemer, Schüler und dann Assistent
von Heinrich Hübsch an der technischen Hochschule Karlsruhe. Diemer fertigte Pläne für eine komplett neue Kirche.
Aus finanziellen Gründen beschränkte sich die Kirchengemeinde Sulzfeld aber auf die Errichtung eines neuen
Kirchenschiffs. Der alte Glockenturm blieb erhalten. Die Bauarbeiten begannen am 30. September 1885 und schon
am 26. September des darauffolgenden Jahres konnte die Kirche geweiht werden. Das Kirchenschiff ist in
neuromanischem Stil erbaut und achsensymmetrisch. In einer Mauernische über dem Hauptportal im Westen, die
gerahmt ist mit zwei Pilastern und überspannt wird von einem monolithischen Bogen, der über dem Scheitel
einen Zippus trägt, steht auf einem flachen Sockel eine vollplastische, überlebensgroße (198 cm) Christusstatue
aus Savonière. Die Inschrift auf dem Bogenfeld des Hauptportals: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und
beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus XI,28) gehört thematisch zur Christusstatue darüber. Geschaffen
wurde diese Statue für die Sulzfelder Kirche von dem Karlsruher Steinbildhauer F. Binz im Jahr 1885 im Auftrag der
Evangelischen Kirchenbauinspektion Karlsruhe. Die Christusstatue des Karlsruher Künstlers war keine Neuschöpfung
sondern lediglich eine genaue Kopie des „Christus von Thorvaldsen“, der in der Domkirche (Vor Frue Kirke) in
Kopenhagen steht. Bertel Thorvaldsen schuf die Statue im Jahr 1821. Sie kommt dem Ideal der Nazarener sehr nahe
und ist in seinem römischen Atelier entstanden.

Auch der Innenraum ist achsensymmetrisch gestaltet. Der Grundriss vermittelt den Eindruck eines Zentralbaus.
Betritt man aber die Kirche, so hat man einen ganz anderen Eindruck: Das Kirchenschiff scheint dreischiffig zu
sein. Durch die Emporen an der West-, Nord- und Südseite wirkt der Raum gestreckt. Die Orgel steht auf der
westlichen Empore über einem eingezogenen Portikus. Der Zeichnung des Freiherr Ludwig Göler von Ravensburg ist
zu verdanken, dass die Vorderansicht der älteren Orgel in der abgegangenen Kirche überliefert ist. Unter der
Voraussetzung, dass der Zeichner den Prospekt der Orgel exakt wiedergegeben hat, dürfte diese in den Jahren
1760 – 1770 gebaut worden sein. Als Orgelbauer kommen in Frage: Der Durlacher Georg Marcus Stein oder einer
der Heidelberger / Epfenbacher Wiegleb. Im Jahr 1879 wurde das Instrument von Orgelbauer Schäfer aus Heilbronn
um den Preis von 2.250 Mark erworben. Am 19. Mai 1886 wurde der Durlacher Firma Voit und Söhne der Auftrag
erteilt, eine neue Orgel für die Sulzfelder Kirche zu liefern.An der Empore sind 13 hochrechteckige Brustbilder
angebracht: Christus und die zwölf Apostel (Öl auf Leinwand, 68 cm x 52 cm). Im Jahr 1757, dem Todesjahr ihres
Ehemannes Ludwig Friedrich Göler von Ravensburg, stiftete Wilhelmine Friederice, geborene Horneck von Hornberg
diese 13 Bilder.Sie wurden in den Neubau von 1885/1886 übernommen. Auffallend ähnliche Bilder finden sich in
der Kirche im Nachbarort Ochsenburg, ebenfalls an der Empore. Hier fehlen aber die Apostel  Johannes und
Bartholomäus. Die Ochsenbruger Bilder wurden nach 1742, dem Todesjahr ihres Gemahls Ludwig Bernhard I. von
Sternenfels, von Regina Juliana, geborene Göler von Ravensburg gestiftet.

Unter der der Orgelempore – an der Südwand – ist eine Inschriftentafel aus Sandstein angebracht, die die Namen
von drei im Krieg von 1870/71 gefallenen Sulzfelder Bürgern nennt. Im Gegensatz zur alten Kirche bilden jetzt
Altar und Kanzel eine Einheit, den Kanzelaltar. In dieser Anordnung wird das Zentrum des reformatorischen
Gottesdienstes  - Predigt und Abendmahl – sinnbildlich. In der Predigt und in der Feier des Abendmahls können
die Gläubigen der Gegenwart Christi gewiss sein. So hat das Kruzifix über Altar und Kanzel hängend den ihm
zukommenden Ort.

Vermutlich war der Altar in der Kirche von 1779 aus Holz gefertigt, da seine durchbrochenen Wangen auf der
schon erwähnten Zeichnung sehr schmal gezeichnet sind. Ein ähnlicher Altar aus der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts ist in der evangelischen Pfarrkirche in Oberacker erhalten.  Der Altar aus dem Jahr 1886 ist
aus hellgrauem Sandstein gehauen. Er trägt auf allen Seiten vertiefte Felder, die oben mit einem Rundbogenfries
abschließen. Auf der Vorderseite ist ein erhabenes Wiederkreuz angebracht. Die Altarwangen sind durchbrochen
und mit Doppelrundbögen geschlossen. Auf der Bodenfläche zwischen den beiden Wangen sind farbige, ornamentierte
Kacheln erhalten. Ein ähnlicher,  aber viel aufwendiger gearbeitetes Altar findet sich in der evangelischen
Stadtkirche in Eppingen, die ebenso wie die Sulzfelder Kirche nach Plänen von Ludwig Diemer errichtet wurde.
Die achsensymmetrische, architektonischen Charakter tragende Kanzel ist ganz aus Holz gefertigt und ruht mit
ihrem vorspringenden Mittelteil auf einer Stütze aus hellgrauem Sandstein. Der Zugang zur Kanzel erfolgt über
eine Treppe in der Sakristei, dem ehemaligen Chor der Kirche. Bei der Gestaltung der Aufbauten an der Ostwand
mögen sich die Bauherren vom vertrauten Anblick der Kirche haben leiten lassen. Schon hier bildeten Altar,
Orgel und Kruzifix  eine ähnlich gestaltete Einheit.

Das Kuzifix wurde wie die 13 Bilder an der Empore von Wilhelmine Friederice Göler von Ravensburg im Jahr 1757
gestiftet. Christus hängt mit geneigtem Haupt und gebrochenen Augen tot am Kreuz. Über Haare und Stirn ist eine
mächtige Dornenkrone gedrückt. Um die Hüfte des Gekreuzigten schlingt sich ein schmales Lendentuch, das – an
der linken Seite geknotet – in einem langen Zipfel herabhängt. Der athletische Leib zeigt keinerlei Spuren des
Martyriums. Eine solche Darstellung des bis  in alle Einzelheiten von Knochen, Sehnen und Muskeln wiedergegebenen,
kräftig modellierten Körpers entsprach selbst bei dem Gekreuzigten den Vorstellungen, die sich im Barock seit
dem 17.Jahrhundert entwickelt hatten. Am Ende dieser Epoche schuf der Augsburger Goldschmied Georg Ignaz Bauer
ein aus Silber getriebenes Kruzifix (Höhe: 244 cm, Corpus: 104 cm), das dem Sulzfelder Kruzifix sehr ähnlich und
ganz dem in Süddeutschland verbreiteten Typus des Gekreuzigten verpflichtet ist.

In der Ostwand des Kirchenschiffs wurde im Jahr 1940 die Verglasung des unteren Rundbogenfensters durch ein
Buntglasfenster ersetzt. Der Karlsruher Zeichenlehrer Albert Finck schuf den Entwurf dafür: Darstellung des
Pfingstwunders. Mit der Ausführung des Fensters wurde die Firma Großkopf in Karlsruhe beauftragt. Finanziert
wurde das Projekt mit Spenden der Konfirmanden des Jahrgangs 1940. Ein zweites Glasfenster aus dem darauf
folgenden Jahr wurde im Bogenfeld über der Türe zur Sakristei eingesetzt. Auch dieses Mal lieferte Finck den
Entwurf (Lutherrose auf Rautengrund) und die Ausführung oblag wieder der Firma Großkopf. Das Buntglasfenster
wurde finanziert durch Spenden der Konfirmanden des Jahres 1941.

Im Altarraum erfuhr die Kirche in den späten 60er Jahren eine wesentliche Veränderung: Das Gestühl der
Kirchenältesten auf der Nordseite und das Gestühl der Patronatsherrschaft auf der Südseite wurden entfernt.
Erfreulicher ist die Tatsache, dass in Sulzfeld gleich drei Taufsteine erhalten sind.Der älteste dürfte noch
ein Überrest aus der alten gotischen Kirche sein. Er hat aber im Laufe der Zeit Veränderungen erfahren.
Oberteil und Schaft stammen aus unterschiedlichen Epochen. Die Auflageplatte ist der ältere Teil. Auf ihr
finden sich vier quadratische Vertiefungen (1cm x 1cm x 1cm): Vermutlich das Lager für ein Taufbecken aus
Metall. Ein zweiter Taufstein stammt aus der Zeit des Historismus. Er zeigt auf seinem Sockel ein neugotisches
Ornament. Der aktuelle Tauf „stein“ ist aus Holz gefertigt und wurde im Jahr 1915 von Ludwig Siefert,
Schreinermeister in Kippenheim, im Auftrag seines Sohnes, der zu dieser Zeit Pfarrer in Sulzfeld war,
angefertigt. Gestiftet wurde der Tauf“stein“ von Freiherr Ernst Leopold Göler von Ravensburg und seiner
Gemahlin Freifrau Chérie, geborene Steinwachs zur Geburt ihres Sohnes Raban.

Der Glockenturm

Mit seinen mächtigen Mauern ist das Untergeschoß des Glockenturms (der ehemalige Chor) ein letzter Überrest
der Kirche von 1441. Das Gewölbe wurde herausgebrochen, der Raum dient heute als Sakristei. In der Nord-, Süd-
und Ostwand der darüber liegenden Stockwerke sind drei  gekuppelte Spitzbogenfenster aus dem 14. Jahrhundert
erhalten. Ein im  Eselsrücken geschlossenes Fenster in der Nordwand ist zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden.
Der oberste Teil des Turms wurde im 18. Jahrhundert erneuert. Eine Inschrift auf dem Halbkreisbogen der nach
Westen geöffneten Schallarkade nennt das Jahr und einen Namen:
                        “IOHANNES BIEG AN(N)O J779“. 

Das Mauerwerk des Turms liegt unter Putz. Darunter sind Eckquader erhalten, die abwechselnd mit der längeren
bzw. kürzeren Seite in das Mauerwerk einbinden.Der Glockenturm ist in fünf Geschossen aufgeführt: Sakristei
(ehemals Chor; daher der Name Chorturmkirche), Läutboden (hier sind drei Öffnungen für Glockenseile erhalten),
Gewichtboden, Uhrenboden und Glockenboden.

Früheste Nachricht über ein Geläut der Sulzfelder Kirche gibt die Dorfordnung aus dem Jahr 1529. Diese wurde von
Bernhard I. Göler von Ravensburg und dessen Vetter Albrecht VI. erlassen. Im Abschnitt „Brüche und Frevel“ heißt
es: „Item, wenn man die Gemeinde mit den Glocken zusammenläutet, so soll ein jeder bei seinem Eid und schwerer
Straf sich sogleich zur Kirche begeben…..und unseren, der Amtleute oder Schultheiß Bescheid abwarten.…“.

Erst 230 Jahre später sind wieder Glocken in Sulzfeld urkundlich nachweisbar, in der Vogt Gerichtsordnung von 1759,
einer Erneuerung der alten Dorfordnung von 1529. Die Kondominatsherren vom Ferdinand`schen Ast und vom
Friederich`schen Ast kamen auf der Ravensburg zusammen und beschlossen gemeinschaftlich die Vogt Gerichtsordnung.
Unter § 31 wurde bestimmt:
„Den Wirten soll nicht  erlaubt werden, sommers nach 9 Uhr abends,  winters nach 8 Uhr Gäste zu empfangen, außer
wenn sie fremd sind. Zur Beachtung soll der Nachtwächter in diesen Stunden die kleine Glocke läuten…“.

Im Jahr 1763 goss der Speyrer Glockengießer Paulus Strobel laut überlieferter Inschrift in Sulzfeld eine Glocke
für die evangelische Pfarrkirche. Dass der Glockenguss tatsächlich in Sulzfeld stattgefunden hat ist nicht
nachweisbar, ist aber sehr wahrscheinlich, da es zu dieser Zeit durchaus üblich war, Glocken am Ort des
Auftraggebers zu gießen. In einem Erlass der kurpfälzischen Regierung vom 21. Mai 1765 heißt es:
„…. dass dieser (Strobel) sich verbindet, die Glocken in den weit entlegenen Orten selbst zu gießen…“.
Über Größe, Gewicht und Aussehen der Glocke ist nichts bekannt. Überliefert sind aber die beiden Inschriften A
(gereimt: aa, bb, cc) und B: 
A       ALS ÖSTERREICH, MOSKAV, PREVSSEN, SCHWEDEN /
         ZV HVBERTVSBVRG VOM FRIEDEN REDEN /
         ENGLAND, FRANKREICH, PORTVGAL /
         SPANIEN, SACHSEN ALLZVMAL/
         DA FOLGT AVF DIESEN FRIEDENSSCHVSS/
         ZV SVLZFELD DIESER GOCKENGVSS. /
B      17. Mai 1763 PAVLVS STROBEL, SPEYER

Zur Inschrift A: Friede von Hubertusburg: Ende des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763). Schloß Hubertusburg
liegt nordöstlich von Grimma, im Bezirk Leipzig.

Die Glocke wurde im Jahr 1892 von Chr. Bachert, Glockengießer in Dallau, umgegossen. Die neue Betglocke trug
eine zweiteilige Inschrift: (aab, aab):

A          Zur Hilfe läut ich / Zur Andacht lad ich / Der Christen Chor / Um Todte klag ich /
            Gebete trag ich / Zu Gott empor./
B          Gegossen von Chr. Bachert in Dallau /

Am 30. Juni 1917 musste die Glocke während des Ersten Weltkrieges abgegeben werden.
Im Jahr 1808 goss Johann Lucas Speck in Heidelberg zwei Bronzeglocken für die Sulzfelder Kirche, wovon eine –
die kleinere der beiden – heute noch erhalten ist. Dies ist der Tatsache zuzuschreiben, dass sie die kleinste
im Geläut der Sulzfelder Kirche war und somit in Kriegszeiten nicht abgegeben werden musste. Diese Glocke,
auch „Taufglocke“ genannt, ist an einem Joch aus Eichenholz aufgehängt. Sie wiegt ca. 275 kg, hat einen
Durchmesser von 72 cm, ist 55 cm hoch und schlägt den Ton h’ an. Die Inschrift lautet:

LUCAS SPECK IN HEIDELBERG GOS MICH FÜR DAS FREIHERRLICH
IOHAN MICHAEL IOSEPH FRANZ UND BENIAMIN GOELER VON RAFE /
NSPUR / GISCHE GEMEINSCHAFTLICHE AMT SULZFELT ANNO 1808

Die Vornamen stehen für die Vertreter der beiden Linien der Göler von Ravensburg: Iohan Michael und Ioseph für
die  Fritzische Linie, Franz und Beniamin für den Ferdinand-Ast.Die Inschrift der zweiten im Jahr 1808 von Lucas
Speck in Heidelberg gegossenen Glocke, der „Türkenglocke“ ist nicht überliefert. Sie musste am 30. Juni 1917 für
die Kriegszwecke abgegeben werden. Der Name „Türkenglocke“ stammt aus der Zeit der Türkenkriege, als die Glocke
allmorgendlich zum Gebet um den Schutz Gottes rief.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges beschlossen Pfarrer Riehm und der Kirchengemeinderat im Jahr 1920,
Kostenvoranschläge für den Guss neuer Glocken bei verschiedenen Firmen einzuholen. Zur Beschaffung von
Geldmitteln wurde eine Sammlung von Haus zu Haus durchgeführt. Diese erbrachte einen Erlös von 5.000 Mark.
Hinzu kamen 5.000 Mark aus kleineren Spenden und 6.000 Mark von der Grundherrschaft, den Göler von Ravensburg.
10.000 Mark sollten dem Kirchenbaufonds entnommen werden.  Die politische Gemeinde Sulzfeld beteiligte sich
mit weiteren 10.000 Mark. Außerdem verfügte die Kirchengemeinde noch über einen Betrag von 4.555 Mark, den sie
im Jahr 1917 als Entschädigung für die abgegebenen Glocken erhalten hatte. Ehemalige Sulzfelder Bürger, die
nach Amerika ausgewandert waren, stifteten zusammen 5.000 Mark. Schließlich erbrachte eine Lotterie im Advent
1920 einen Betrag von 3.000 Mark. Nachdem das Finanzierungsproblem gelöst war, wurde am 20. Juni 1921 ein
Liefervertrag über zwei neue Glocken mit der Firma Bachert unterzeichnet. Am 19. Oktober 1921 wurden die
Glocken gegossen und am 6. November feierlich geweiht.

Über das Aussehen der beiden Glocken ist nichts bekannt. Überliefert sind lediglich die beiden Inschriften
und Angaben zu Material, Ton, Gewicht und Maßen:
Große Glocke: Bronze, Ton E, 850 kg, Durchmesser 120 cm.
Inschrift: Zur Hilfe läut ich / Zur Andacht lad ich / Der Christenchor /       
Um Tote klag ich / Gebete trag ich / Zu Gott empor /

Kleinere Glocke: Bonze, Ton gis, 510 kg, Durchmesser 94 cm.
Inschrift: Nach schwerem Streit / In harter Zeit / Mahnt mein Geläut / Zur Ewigkeit /

Die Inschrift der größeren Glocke ist die gleiche wie auf der Glocke aus dem Jahr 1892.
Als Gegenleistung für den von der politischen Gemeinde Sulzfeld gegebenen Betrag von 10.000 Mark wurde
am 7. Februar 1922 ein „Vertrag über die Regelung der Eigentums- und Benutzerrechte der Glocken in der
evangelischen Kirche in Sulzfeld“ von  Kirchengemeinderat und Gemeinderat unterzeichnet. Dieser Vertrag
war inhaltlich fast identisch mit einem Vertrag vom 2. März 1911, den Kirche und Gemeinde im benachbarten
Kürnbach geschlossen hatten, und der dem Sulzfelder Vertrag als Vorlage diente.Beide Glocken wurden am
19. März 1942 ausgebaut und abgeliefert, wieder für Kriegszwecke.

Ein letztes Mal wurden  am 14. Dezember 1949 drei neue Glocken für die Sulzfelder Kirche gegossen, wieder
von der Firma Bachert. Am 17. Dezember wurden sie geliefert, so dass am darauf folgenden Tag die feierliche
Glockeneinholung und am ersten Weihnachtsfeiertag um 14.00 Uhr die Glockenweihe abgehalten werden konnte.
Die Betglocke: Bronze, Ton e`, ca. 1000 kg, Durchmesser 121 cm.

Inschrift A:     MACHT EUCH BEREIT / EHRE SEI GOTT//
                      IM KREUZ IST HEIL / ALLELUIA //
                     KOMM SCHÖPFER GEIST / HEILIG HEILIG HEILIG //
Inschrift B:     SEID FRÖHLICH IN HOFFNUNG /
                     GEDULDIG IN TRÜBSAL /
                     HALT AN AM GEBET /    
                     (Römer 12,12)
Inschrift C:     GEBRÜDER BACHERT KOCHENDORF / 1949

Die Hochzeitsglocke: Bonze, Ton g `, ca. 600 kg. Durchmesser 104 cm.

Inschrift A:     EHRE / SEI GOTT / IN DER HÖHE /
                     UND FRIEDE AUF ERDEN /
                     (Lukas 2,14)
Inschrift B:     GEBRÜDER BACHERT KOCHENDORF / 1949

Die Totenglocke: Bronze, Ton a`, ca. 300 kg, Durchmesser 91 cm.
Inschrift: A:    UNSEREN TOTEN 1939 - 1945 /
Inschrift  B:    ICH BIN DER ERSTE / UND DER LETZTE /
                     (Offenbarung 1,8, Jesaja 44,6)

Die Epitaphien

Die Geschichte der Göler von Ravensburg ist eng mit der Geschichte des Dorfes Sulzfeld und der Ortskirche verbunden,
da die Göler bis zum heutigen Tag das Patronatsrecht an dieser Kirche innehaben. Hier finden sich zwölf Epitaphien
der Göler von Ravensburg und das der Rosula von Seusslitz, die nicht nur heimatgeschichtlich sondern zum Teil auch
kunstgeschichtlich von Bedeutung sind. Es sind Grabdenkmäler aus den großen Epochen der Kunst: Gotik, Renaissance,
Manierismus und Barock (1502 – ca. 1770).

In der Literatur über die Sulzfelder Kirche werden sieben verschollene Grabsteine der Göler von Ravensburg erwähnt, die vermutlich beim Neubau des Kirchenschiffs 1885/86 verlorengegangen sind:
1.) Grabmal des Walter, genannt Mordelin, Göler von Ravensburg aus dem Jahr 1274 (?),
2.) Grabstein des Raban I. Göler von Ravensburg (1289 ?),
3.) Grabstein des Peter Göler von Ravensburg aus dem Jahr 1319 oder 1321,
4.) Grabstein eines Berchtoldus Göler von Ravensburg aus dem Jahr 1335
5.) Grabmal der Margaretha Göler von Ravensburg, geborene von Velberg (1532)
6.) Grabmal der Susanne Göler von Ravensburg (1589) und
7.) Grabdenkmal der Maria Göler von Ravensburg, geborene von Hirschhorn (1602)

Durch den Aufschwung im Landeskirchenbau in Baden im 19. Jahrhundert gingen viele Epitaphien verloren. In Sulzfeld
wurde aber der größte Teil der Grabdenkmäler aus der alten Kirche in den Neubau von 1885/1886 übernommen, vermutlich
durch die Einflussnahme des Ortsadels: Vier „stehende“ Epitaphien aus der Zeit der Spätgotik. Je zwei an der Nord-
und Südwand des Glockenturms.

1.) Grabstein des Georg Göler von Ravensburg (1502). Die Umschrift in gotischer Minuskel folgt dem in dieser Zeit
üblichen Brauch: Sie nennt zuerst das Todesjahr, dann Datum und Name des Verstorbenen. Am Schluss ein Segenswunsch.

2.) Epitaph des Albrecht Göler von Ravensburg (1503). Der Verstorbene ist im Gestus der „ewigen Anbetung“ dem
Altarsakrament zugewendet. Er war der Bruder des Georg. Im Jahr 1487 erhielt er zusammen mit diesem den Ort
Sulzfeld zum Lehen. Albrecht war kurpfälzischer Amtmann in Kreuznach und Stromberg. Das Grabmal entstand wohl
wie auch das folgende in der „Werkstatt der Heidelberger Kniegrabsteine“. Die Schrifttafel befand sich ursprünglich
über der Figur.


3.) Grabmal der Helena Göler von Ravensburg, geborene von Venningen (1503). Die kaum mehr lesbare Inschrift ist
gereimt (aa,bb). Der in der Inschrift angesprochene Gemahl war Bernhart Göler von Ravensburg (+ 1534),  Sohn des
Georg.  Er war bischöflich straßburgischer Amtmann zu Oberkirch etc.. Im Jahr 1522 führte er in Sulzfeld die
Reformation ein.

4.) Grabstein der Dorothea Göler von Ravensburg, geborene von Liebenstein (1562. Sie  schenkte  ihrem Mann Albrecht
Göler von Ravensburg (+1542) 13 Kinder und wurde Stammmutter der Gölerschen Hauptlinie.
Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die sechs Epitaphien aus der Zeit der Renaissance und des Manierismus (Nr. 7 und Nr. 8).  Ab Denkmal Nr. 6 ist ein neuer Typus erkennbar, die „Hängeepitaphien“.


5.) Grabdenkmal des Hans Göler von Ravensburg (Sohn der Dorothea) und der Anna Maria, geborene von Gemmingen,
in einer Mauernische an der Ostwand der Sakristei aus dem Jahr 1576, dem Todesjahr der Anna Maria. Hans starb
im Jahr 1601. Die Inschrift für ihn muss nach seinem Tod hinzugefügt worden sein, auf dem bis dahin freigelassenen
Feld. Der Typus des Doppelepitaphs mit symmetrisch unter dem Kruzifix knienden Figuren fand von ca. 1570 an im
Kreis der Leonberger Werkstatt des Jeremias Schwarz Verbreitung. Auch die Schriftmerkmale stützen die Zuweisung
an diesem Meister.

6.) Epitaph des Georg Göler von Ravensburg (um 1620) unter der Orgelempore links. Georg war im Jahr 1583 an der
Universität Siena immatrikuliert. J.P. von Hemstatt nennt ihn „vir doctus excellens in medicina“. Das Epitaph
wird der Werkstatt des Melchior Schmidt in Heilbronn zugeschrieben.

7.) Epitaph des David Göler von Ravensburg ( nach 1628). An der Ostwand unter der nördlichen Empore. Es ist das
Gegenstück zu Epitaph Nr. 8. Die Zuordnung an eine bestimmte Werkstatt ist nicht möglich. Teile des Sulzfelder
Epitaphs zeigen aber weitgehende Übereinstimmungen mit dem Epitaph für die beiden Markgrafenbrüder Ernst Friedrich
(+1604) und Jakob (+1590) im Chor der evangelischen Stadtkirche in Pforzheim, das von einem unbekannten Meister
geschaffen wurde.

8.) Epitaph für Johann Friedrich Göler von Ravensburg und seine Familie (nach 1628). An der Ostwand unter der
südlichen Empore. Er erbaute den Palas auf der Ravensburg.

9.)Epitaph des Engelhard I. Göler von Ravensburg, der laut Inschrift im Jahr 1654 in Straßburg verstarb, seiner
Ehefrau Anna Maria, geborene von Metzingen und deren Kinder. An der Südwand des Altarraums. Das Denkmal wurde
von den drei Söhnen im Jahr 1655 gestiftet. Die Inschrift ist wie schon in Nr. 6 sowohl in deutscher als auch
in lateinischer Sprache verfasst. Die deutschen Inschriften wurden in Frakturschrift, die lateinischen in
humanistischer Minuskel und Kapitalis ausgeführt. Die Inschrift in der Sockelzone enthält ein Chronogramm.
Hier wird auch der Name des Verfassers genannt: Magister David Dörner, 1650 – 1695 Pfarrer in Kieselbronn.
Engelhard I. war von 1604 bis 1614 markgräflich badischer Geheimer Rat und Obervogt zu Durlach und Pforzheim.
1633 war er Mitglied im „Consilium Formatum“ der protestantischen Stände, der nach dem Tod des schwedischen
Königs Gustav Adolf zusammen mit Oxenstierna die gemeinschaftlichen Angelegenheiten zu leiten hatte. Im Jahr
1609 erbaute er im Bereich des „Mittleren oder Pforzheimer Schlosses“ ein Gebäude, das im Jahr 1807 wieder
abgetragen wurde. Treppenhaus und Portal blieben erhalten.Das Epitaph entstand in der Werkstatt „Leonberg II“ ,
die 1621 auf den Leonberger Steinbildhauer Jeremias Schwarz folgte.

10.) Epitaph für Rosula von Seusslitz (1656) unter der Orgelempore rechts. Die Angaben zu Schriftbild, Chronogramm,
Verfasser der Inschrift und Werkstatt sind dieselben wie in Nr. 9. Rosula von Angelloch, verheiratete Pistoris von
Seusslitz war die Tochter des Burkard von Angelloch und der Agnes, geborene Steinhäuser von Neidenfels. Ihr Bruder
Johann Burkard verstarb im Jahr 1613 kinderlos. Er war der letzte im Mannesstamm. Rosula beerbte ihn. Ihr Ehemann
Jakob Pistoris (latinisiert: Müller)  von Seusslitz (Stadt an der Elbe, südöstlich von Riesa) stammte aus
sächsischem Beamtenadel. Er war markgräflich badischer Geheimer Rat und Obervogt zu Durlach ebenso wie Engelhard I.
Göler von Ravensburg. Von daher kannten sich die beiden Familien. In den Wirren des 30-jährigen Krieges gewährte
Engelhard I. der Witwe Rosula Schutz und Zuflucht. Dafür setzte sie ihn als Erben ein. So zu lesen auf dem Epitaph.

Die Grabdenkmäler aus der Barockzeit:
11.) Epitaph für Friedrich Jakob Göler von Ravensburg (+1717) an der Nordwand des Altarraums. Im Jahr 1721, dem
Todesjahr seiner Gemahlin Anna Salome, geborene Gayling von Altheim, von den drei Schwiegersöhnen gestiftet.
Während alle anderen Epitaphien aus Sandstein gefertigt sind, ist dieses ganz aus Holz gearbeitet.

12.) Großes monolithisches Epitaph für den 1757 verstorbenen Ludwig Friedrich Göler von Ravensburg an der Ostseite
des Turms außen. Ludwig Friedrich war von 1746 bis zu seinem Tod kurpfälzischer Oberamtmann in Simmern im Hunsrück.
Er hieß auch „Der Lange Herr“. 1755 erbaute er auf der Ravensburg einen einfachen Barockbau, genannt „Das Haus des
Langen Herrn“. Das über dem Haupteingang zum Amalienhof angebrachte Wappen ist ein letzter Überrest dieses Gebäudes.
Ludwig Friedrichs Ehefrau Wilhelmine Friederice, geborene Horneck zu Hornberg, stiftete die 13 Bilder an der Empore
und das Kruzifix über der Kanzel. Das Epitaph wurde  in der Werkstatt des Joachim Günther, Hofbildhauer zu Bruchsal,
gefertigt. Sein Vorbild sind die fürstbischöflichen Grabdenkmäler in der Bruchsaler Peterskirche: Das des Anton von
Hutten, des August von Limburg-Stirum und des Karl von Limburg-Stirum.

13.) Epitaph für Johann Friedrich II. Göler von Ravensburg (+1765) an der Ostseite des Turms außen. Gegenstück zu
Epitaph Nr. 12. Die lateinische Inschrift preist überschwänglich die guten Taten des Verstorbenen. Ihn nannte man
auch den „Dicken Herrn“. Er bewohnte auf der Ravensburg das im Jahr 1807 abgetragenen Wohnhaus an der Westseite
des Bergfrieds, genannt das „Haus des Dicken Herrn.“                              

Wegen seiner außerordentlichen Größe und der hervorragenden Steinmetzarbeit soll hier auch ein Grabmal auf dem Friedhof der Patronatsherrschaft südlich der Kirche erwähnt werden. Das des Benjamin Göler von Ravensburg ( +1834) und seiner Gemahlin Amalie, geborene Freiin von Reck. Benjamin war großherzoglich badischer Major der Kavallerie. Er bewohnte den am südlichen Ortsrand von Sulzfeld gelegenen „Bau“, ein einfaches Schloß aus der Zeit des Renaissance, laut Inschrift 1573 begonnen und erst unter Benjamin fertig gestellt. Er benannte ihn nach seiner Frau Amalie „Amalienhof“.

Aus Platzgründen wurde auf einen Anmerkungsapparat verzichtet.
Die eingesehenen Primär- und Sekundärquellen können beim Autor jederzeit erfragt werden.
Kurt Moser



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